„Überfordert? – Unterstützt? Gib Stress im Studium keine Chance“ Erzählkaffe vom NOA-Referat

Nachfrage nach psychologischer Beratung steigt – Wartelisten in Lüneburg sind voll

Die überforderten Studenten

kg Lüneburg. Über Hilfe in Stress- und Überforderungssituationen während des Studiums informierte jetzt das Referat „Nachhaltige Öffentliche Aktionen“, kurz NOA, des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Universität. Das Erzählcafé unter dem Titel „Überfordert? – Unterstützt? Gib Stress im Studium keine Chance“ fand im Rahmen der internationalen Aktionswoche „Global Education Strike“ für die Demokratisierung der Bildung statt.

„Beim ,Global Education Strike‘ denken viele nur ans Streiken, aber es geht um mehr. Der Kampf gegen Studiengebühren ist ja nicht alles in der Hochschulpolitik“, erklärt Heike Hoja, ehemalige Politik-Referentin und Initiatorin des Erzählcafés. „Die Probleme liegen ja nicht nur am System, sondern auch darin, dass die Studenten heute dazu bereit sind, mehr Druck und Stress auszuhalten.“ Durch die Verkürzung auf zwölf Schuljahre bis zum Abitur würden viele gar keine andere Lernkultur mehr kennen, meint die Sozialpädagogin.

Doch nicht immer läuft alles reibungslos. Bundesweit ist die Nachfrage nach psychologischer Beratung unter Studenten seit Einführung des Bachelor- und Mastersystems 2007 um rund 30 Prozent gestiegen. „In Lüneburg gab es einen solchen Anstieg bereits 2001, da bei uns die Hochschullandschaft durch die Fusion von Universität und Fachhochschule in diesen Jahren sehr unruhig war“, erzählt Rita Harms von der psychosozialen Beratungsstelle des Studentenwerks Ostniedersachsen. Um die Studenten über das Beratungsangebot der Einrichtung zu informieren, berichten sie und ihre Kollegin Kerstin Hahnelt im Erzählcafé über ihre Arbeit. Rund 400 Studenten der Leuphana betreuen sie pro Jahr in psychologischen und sozialen Angelegenheiten. Die Wartelisten seien voll.

Eine schlimme Krankheitsdiagnose bei den Eltern, Panik vor der Familienzusammenkunft an Weihnachten, die falsche Studienwahl – all das seien Themen, die ihnen in den Gruppen- und Einzelgesprächen ständig begegnen. Sie stelle außerdem fest, dass sich trotz der strukturierten Studiengänge immer mehr Studenten an sie wenden, um sich Hilfe für ihre Arbeitsstrukturen zu holen, verdeutlicht Harms. „Uni, lernen, Ehrenamt und dann noch Familie, Sport und Freunde, die mir auch wichtig sind. Nebenbei muss ich Geld verdienen. Ich habe das Gefühl, ich mache alles, aber nichts richtig“, erzählt ein junger Mann. Da er als ausländischer Student an der Leuphana eingeschrieben ist, bekomme er kein Bafög und müsse seine Studiengebühren selbst finanzieren.

„Die Einführung der Studiengebühren waren in der Tat das einschneidendere Ereignis als die Bologna-Reform“, meint Harms. „Das Studium an sich kriegen die meisten gut hin, aber wer nebenbei noch mehr als zehn Stunden pro Woche arbeiten muss, um seinen Unterhalt und die Gebühren zu verdienen, der hat ein Problem.“ Wer wiederum in Teilzeit studiere, hätte keinen Anspruch auf finanzielle Unterstützung, weiß Kerstin Hahnelt.

Trotzdem können die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle oft weiterhelfen und finden im Gespräch mit den Studenten individuelle Lösungen. Vielfach helfe es bereits, über die Probleme zu reden und sich mit anderen auszutauschen. Allein deshalb möchte das NOA-Referat die neue Veranstaltungsform des Erzählcafés weiterführen.
Kerstin Hahnelt, Rita Harms und Heike Hoja (v.l.) geben Studenten im AStA-Wohnzimmer Tipps zur Bewältigung von Krisensituationen im Studium. Foto: kg